Wir trauern um Erni Mangold.
Das Max Reinhardt Seminar trauert um em. o. Hochschulprofessorin Erni Mangold.
Erni Mangold (1927–2026)
Erni Mangold, geboren am 26. Jänner 1927 als Ernestine Goldmann in Großweikersdorf, war eine der prägenden Persönlichkeiten des österreichischen Theaters und Films. Nach ihrer Ausbildung an der Schauspielschule Krauss begann sie 1946 ihre Bühnenlaufbahn am Theater in der Josefstadt. Es folgten Engagements am Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, am Düsseldorfer Schauspielhaus sowie an zahlreichen weiteren Bühnen im deutschsprachigen Raum.
Ihr Repertoire reichte von klassischen Rollen bis zu zeitgenössischen Theaterstücken. Besondere Anerkennung erhielt sie für ihre Darstellung des Schneewittchens in Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“ am Volkstheater Wien, für die sie 2005 mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet wurde. Auch in Film und Fernsehen war sie über Jahrzehnte präsent, unter anderem in „Hanussen“, „Before Sunrise“ und „Der letzte Tanz“. Im Jahr 2000 wurde ihr der Titel Kammerschauspielerin verliehen.
Ab 1974 war Erni Mangold als Lehrende an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien tätig, ab 1983 als Hochschulprofessorin. Bis 1995 gab sie ihre Erfahrung an angehende Schauspieler*innen weiter und prägte damit mehrere Generationen von Studierenden des Max Reinhardt Seminars. Ihre Verbindung von künstlerischer Praxis und Lehre machte sie zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Geschichte des Instituts. 2017 verabschiedete sie sich mit „Harold und Maude“ am Theater in der Josefstadt von der Bühne. Erni Mangold starb am 5. September 2026 im Alter von 99 Jahren.
Das Max Reinhardt Seminar trauert um em. o. Hochschulprofessorin Erni Mangold.
Erni Mangold war – und bleibt! – eine Institution in der Institution. Sie hat in einzigartiger Weise den Grundgedanken der künstlerischen und menschlichen Wahrhaftigkeit in der darstellenden Kunst, aber auch in ihrer Haltung zu Theater und Leben weitergegeben.
Ihr beispielloses Können, das Größte selbstverständlich und das scheinbar Selbstverständliche groß zu machen, hat Generationen von Schauspieler*innen und Regisseur*innen inspiriert. Überhaupt trauern wir um eine Persönlichkeit, der es künstlerisch und menschlich gegeben war, Ambivalenzen – in sich, in anderen, in der Welt auszuhalten: Eine „anti-pädagogische“ Spitzenpädagogin, eine Suchende und energisch Weitergebende jenseits der engen Grenzen von Zeitgeschmack, moralischen Ge- und Verboten, ein freier Geist. In ihrer eigenen Karriere hat sie dieses konsequente Ablehnen von beengenden Kategorien, Schubladen, Zugehörigkeiten und geistig-künstlerischen Etikettierungen beispiellos bewiesen. Als stets selbst-bewusste Traumtänzerin zwischen Lehre und Schauspiel auf der Bühne und vor der Kamera, zwischen Stadt- und Staatstheater und freieren Formationen der darstellenden Kunst, zwischen Wien und der Welt, zwischen bewundernswerter Beherrschung aller Genres und unbändiger Neugierde auf das Experiment – bis ins höchste Alter! – hat sie ihren Studierenden und späteren Kolleg*innen unglaublichen Mut gemacht, und die Lust darauf, als Künstlerin zu leben und zu handeln – trotz aller Schattenseiten einer so konsequent gedachten Unverfügbarkeit.
Natürlich vermissen wir dich, Erni – allerdings in der Gewissheit, dass du auch diese letzte Grenze leichtfüßig ignorierst und in unserem Haus und in uns, deinen zahlreichen „Nachkommen“ hier und in der Theaterwelt, weiterlebst.
Unseren Nachruf verfasste Univ. Prof.in Mag.a art. Anna Luca Krassnigg, die Erni Mangold prägende Lehrerfahrungen und gemeinsame Gastspielreisen ebenso verdankt wie gemeinsame Film- und Schauspielproduktionen und eine langjährige Freundschaft.